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Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935–1942

Den Zweiten Weltkrieg anders zu beschreiben als zuvor. Das hat sich Dan Diner in seinem von Fachkreisen gelobten Buch Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935–1942 vorgenommen. In seiner Einführung schreibt er, dass der Blick vom globalen Süden Richtung Norden geht und der Fokus auf dem jüdischen Palästina, dem Yishuv, liegt. „Als Schnitt- und Angelpunkt europäisch-kontinentaler wie außereuropäisch-kolonialer Geschichte wächst ihm die Bedeutung eines Pivots historischer Wahrnehmung zu.“ (7)

Das ist eine große Bedeutung, die diesem kleinen Landstrich bzw. dessen jüdischem Teil zugeschrieben wird. Im ersten Teil des Buches ist meinem Eindruck nach die Rolle des Yishuv aber eher von untergeordnetem Interesse. Die Lesenden erfahren sehr viel und interessantes über das Agieren des britischen Empire und dem Blick bspw. von Indien auf die Lage in Europa und später dann während des Krieges auf das Kriegsgeschehen. Viele einfache Erzählungen á la ‚Die Alliierten hätten nur dieses oder jenes machen müssten‘ wird hier eine Geschichte entgegengesetzt, die die Komplexitäten nicht nur des Empires aufzeigt, sondern besonder auch die unterschiedliche Interessen der einzelnen Teile des Empire.

In der Beschreibung des Kriegsgeschehens, steht dann Palästina mit dem Yishuv im Zentrum. Diner legt hier einige wohl verdrängte Ereignisse frei, die für die Vorgeschichte des Staates Israels von Interesse sind. So beschreibt er die Bombardierungen von Haifa und auch Tel Aviv durch italienische aber auch deutsche Flieger. Außerdem die Befürchtungen der Vertreter des Yishuv vor einer Invasion durch Truppen des Achsenmächte, bevor besonders die deutsche Panzerarmee bei El Alamein, durch die Alliierten aufgehalten werden konnten. Besonders das Jahr 1942/43 gilt als Wendepunkt im Krieg.

Diner beschränkt sich aber nicht nur auf die von ihm im Titel gesetzte Zeit, sondern blickt sowohl nach vorn als auch zurück. Das ist für einige Ereignisse und besonders für das Einordnen der Geschehnisse teilweise wichtig. So ließt sich das Buch auch als eine transnationale Kontextualisierung der Vorgeschichte des Staates Israels und des Krieges von 1948.

Mit seinen knapp 300 Seiten teilweise sehr dicht geschriebenen Kapitel, ist das Buch sehr gut zu lesen. Zeitweise fesselte es mich wie ein guter Roman. Wer sich für Globalgeschichte, jüdische Geschichte, die Geschichte Palästinas, des Yishuv und auch für die Geschichte Israels interessiert, der ist mit diesem Buch an der richtigen Stelle. Diejenigen wird der Preis von 34,00 wohl auch nicht unbedingt abschrecken. Ich kann es nur empfehlen! Für diejenigen, für die der Preis zu hoch ist: schlagt es doch Eurer örtlichen Bibliothek zur Anschaffung vor, das funktioniert sehr oft.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Rezensionsexemplars. Die Rezension erschien zuerst auf dem Blog undogmatisch.net.