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Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters

Wieso werde ich als anders wahrgenommen? Wieso bin ich oft nur „der Jude“? Das sind wohl fragen, die sich Dimitrij Kapitelman schon oft gestellt hat. Der Sohn einer russisch-ukrainischer Familie kommt Anfang der 90er Jahre mit seinen Eltern nach Deutschland. Nun will er mehr über sein Judesein erfahren. Mit seinem Vater. In Israel. Über einen aufregenden Road-Trip durch das Innerste.

Die Reise beginnt in der Ukraine, wo die Familie Kapitelman lebte. Nach dem Ende der Sowjetunion können sie nach Deutschland migrieren. Doch das war nicht der Plan. Dimitrijs Vater gab seinem besten Freund die Briefmarkensammlung und wertvolles Geschirr mit. Sie wollten sich in Israel wiedersehen. Doch dazu kam es nicht.

Dimitrij spürt, dass sein Vater sich nach seinem Freund sehnt und schlägt vor, nach Israel zu fahren. Schließlich machen sich die Beiden auf eine Reise, die  sie nicht nur an einen fremden Ort führt sondern auch zu sich selbst. Dimitrij wird mit seinen eigenen Vorurteilen und Ängsten konfrontiert und vor allem: mit seinem Selbstbild – das hält der Realität nicht immer stand.

Es sind spannende Fragen, die sowohl wichtig sind für sogenannte Vaterjuden oder Juden “in der zweiten Generation” sondern im Prinzip grundlegende Fragen zu unserer Selbstdeutung berühren. Bei dieser innerlichen Reise schafft es der Autor Kapitelman, die Beziehung zwischen Vater und Sohn so berührend und, ja, anrührend zu erzählen, dass man am Ende beide in den Arm nehmen möchte.

Das Buch wurde zu recht gefeiert. Ich war zuerst skeptisch, dass muss ich zugeben. Aber mit jeder Seite nahm diese Skepsis ab und nun kann ich dieses Buch nur zum Lesen empfehlen!

Dimitrij Kapitelman: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters. Hanser 2016, 20 €. ISBN: 978-3-446-25318-6.   Link zum Verlag

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